Dr. med. Ulrich Dreisilker, Facharzt für Orthopädie, Chirotherapie, Naturheilverfahren und Sportmedizin

Haltung, ein ganzheitliches Problem

Kritische Phasen für die Entwicklung des menschlichen Haltungs- und Bewegungsapparat sind die Zeiten zwischen 3.-5. Lebensjahr, die Zeit in der die erste Prägung der ersten Bewegungsabläufe erfolgt. Auch die Jahre der Einschulung und die des pubertären Wachstumsschubes sind entscheidend für die Haltung. Schäden lassen sich vermeiden durch gesunde Lebensführung, richtige Ernährung und deutlich mehr Bewegungsanreize. Dies gilt auch im Erwachsenenalter. Diese Grundsätze werden in unserer Gesellschaft und von den politische Verantwortlichen unterschätzt. Bereits 1997 erfolgten 41% der Frühpensionierungen wegen Erkrankungen des Haltungs- und Bewegungsapparates mit zunehmender Tendenz in den letzten 10 Jahren. Präventive zielgerichtete Maßnahmen und deren Umsetzung erscheinen daher von größter Wichtigkeit, ist dieses Problem nicht allein ein medizinisches, sondern auch eine volkswirtschaftliche Frage.


Symptomenbehandlung oder systemische Sichtweise
Die Therapien wie Massagen, Fango oder Medikamente lindern den Schmerz. Chirotherapie, Akupunktur und Triggerbehandlung sind sinnvolle Behandlungsweisen, führen allein jedoch nicht zum Ziel. Der gesamtheitliche, systemische Ansatz bei unseren diagnostischen und therapeutischen Überlegungen wird häufig nicht gesehen. Die Schulmedizin leistet Segensreiches bei der Erkennung von Organerkrankungen und nicht zuletzt von bösartigen Krankheiten. In Diagnostik und Therapie muss jedoch eine veränderte Denkweise stattfinden. Jahrelanges eingefahrene pathologische Bewegungsmuster äußern sich in Haltungsstörungen mit daraus entstehenden Strukturschäden wie Arthrosen und beispielsweise Bandscheibenvorfällen.

Der Mensch funktioniert nur, wenn die miteinander vernetzten Systeme regulierend und harmonisch auf äußere oder innere Reize antworten. Die Änderung eines Systems führt zu einer Reaktion in andere verknüpfte Systeme. Ganzheitliche Denkweise heißt nicht zuletzt, alles im Organismus hängt mit Systemverknüpfung zusammen.


Äußere und innere Störfaktoren

Genetische Konstitution, Bindegewebs- und Muskelqualität, Umwelt- und Zivilisationsfaktoren, kulturelle Normen und die Psyche können die Haltung beeinflussen. Fehler in der Ernährung, klimatische Einflüsse wie Nässe, Kälte, Zugluft nehmen bekanntlich Einfluss auf das Muskelsystem, das die Haltung steuert. Die Haltung verrät die psychische Verfassung eines Menschen.

Arthroskopie

Bei Kniegelenkarthrosen wurde in den vergangenen Jahren der therapeutische Wert für eine Arthroskopie wiederholt angefochten. Eine wissenschaftliche Studie aus den USA ergab, dass die echte Behandlung nicht wirksamer war als die Placebo-OP. Laut orthopädischen Nachrichten wird die Arthroskopie bei Gonarthrose seit 2003 daher in den Staaten nicht mehr bezahlt.

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